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Der Reisende

 

Von Süden aus, durch die Leipziger Ebene fahrend, sitze ich im Wagen. Als Beifahrer. Also hab ich genügend Zeit.
Um das menschliche Wohlbefinden in Bewegung zu setzten, benötigt das Auge Barrieren. Sei es der eigene Horizont, ein dichter Wald, die bewohnten vier Wände u.s.w.. Im Straßencafe sitzen ist selbst dann noch ein Genuss wenn die gegenüber liegende Häuserzeile gerade zehn Schritte entfernt ist. Ein Sack voll Geld kann beispielhaft die Sicht nicht genug verdecken, denn wir finden ein Rundumblick auf Geldsäcke durchaus erstrebenswert. Es stört auch nicht, wenn im Pachtgarten die meterhohe Hecke das ganze Grundstück beansprucht - als Bollwerk gegen die wilde Steppe des Nachbarn ist sie wahrlich Gottes Geschenk.
Das menschliche Auge ist also das eines Höhlenmenschen - weite Flächen sind feindlicher Natur.
Wie kann ich also, im Wagen sitzend, durch die Leipziger Ebene fahrend, diesen Landstrich preisen, der von menschlicher Hand auf uniforme Höhe gestutzt wurde, der völlig entwurzelte und entbaumte Ackerflächen ukrainischen Ausmaßes bietet; - aber keinen optischen Parcour; der verhindert, dass mein sonst so neugieriges Auge etwas leidet. Ich lasse den Wagen beschleunigen, denn ich möchte schnell wieder wie ein Höhlenmensch fühlen.
Wenig später erreiche ich das Mansfelder Land. Ich wechsle den Wagen. Jetzt fahre ich. Und spüre in mir etwas rudimentäres, fossiles, ja bronzemäßiges. Mit einer Steinaxt möchte ich mich zwischen die Mansfelder Hügel setzten, ungestört einen Büffel reißen und mein größter Schatz - ein Ledersäckchen mit Salz - wird mir die Mahlzeit würzen. Ja, im Leipziger Land hätte man mich gesehen und man hätte mir Büffel und Salz weggenommen.
Ach, würden doch nur alle in lieblichen Tälern sitzen, zusammen mit ihren Dorfgenossen und von einer großen, weiten Welt mit sanften Hügeln und kleinen Wäldern träumen.
Ich habe Adendorf erreicht, steige aus dem Wagen und mir geht es gut.


07.02.2009 marc

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